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100 Jahre VfB Eichstätt - 1920 bis 1954

Eichstätt - Die Fußballhistorie des VfB Eichstätt begann mit der ersten Begegnung in grünweißer Spielkleidung am 31. Oktober 1920 gegen Eintracht Weißenburg.


Von Sepp Schiebel




Unsere Gründungself!


Die Elf auf dem Originalfoto kann auch als Gründungsmannschaft des Vereins bezeichnet werden. Die Aufnahme zeigt von links nach rechts: 1. Vorstand Michael Orthgieß, Fink, Pius Bretting, Thomas Hoffmann, Karl Dollinger, Adolf Schrenk, Hans Henkel, Josef Peppenauer, Schregele, Ludwig Knör, Betreuer Otto Zeitlinger, unten sitzend August Seebach und Ludwig Riederer (Foto oben).

Bereits eine Woche später spielte der VfB am 7. November 1920 gegen den Meister der Klasse A in Nordbayern, TV 1860 Fürth (1:7 Niederlage) und am 21. November 1920 gegen den Pokal- und Kreismeister SpVgg Fürth (3:8 Niederlage). Am 19. Dezember 1920 wurde der VfB Eichstätt e. V. Mitglied des Süddeutschen Fußballverbandes. Am 13. März 1921 sahen über 1000 Zuschauer das Privatspiel gegen eine kombinierte Elf des TSV 1860 München, wobei der VfB ebenso 2:4 unterlag wie am Ostermontag der 1b Mannschaft von Bayern München.

Erstmals nahm der VfB in der Saison 1923/24 an Verbandsspielen teil. Mit 3:3 Punkten und 6:6 Toren nahm der VfB zum Jahreswechsel einen Mittelplatz in der Tabelle ein. Ein sportlicher Höhepunkt für den Verein war das Freundschaftsspiel am 11. Mai 1925 gegen die 2. Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Der VfB spielte mit: Abele - Germann - Pickert - Seebach - Stubenvoll - Bretting - Brandmeier - Weinke - Heckl - Fruth - Henkel. Der "Club" gewann das Spiel vor rund 1000 Zuschauern mit 8:0.

Der VfB hatte einen schlechten Start in die Verbandsrunde der A-Klasse des Gaues Ingolstadt in der Saison 26/27. Durch eine 1:6 Niederlage in Geisenfeld rutschte der VfB auf den letzten Tabellenplatz ab. Diesen doppelten Punktverlust sieht man allerdings aus einem anderen Blickwinkel, wenn man weiß, dass Geisenfeld versprochen hatte, die VfB-Mannschaft vom Bahnhof Hög mit Kraftfahrzeugen abzuholen, dieses Versprechen aber nicht eingehalten hatte. So musste die Mannschaft die Strecke vom Bahnhof Hög nach Geisenfeld im Laufschritt zurücklegen, um noch rechtzeitig zum Spiel zu kommen.

1928 wurde der VfB-Platz aufgrund der Altmühlregulierung zweckentfremdet. Dort wurden Unterkünfte für die Beschäftigten der Baufirmen errichtet. Die Heimspiele mussten deshalb auf dem kleinen Exerzierplatz der Landespolizei ausgetragen werden. 1929 stieg der VfB aus der A-Klasse ab. Der Bauabschnitt der Altmühlregulierung zwischen Rebdorfer Wehr und Landershofener Brücke war noch nicht abgeschlossen und der VfB musste deshalb auch die Saison 29/30 komplett absagen. 1930/31 nahm der VfB in der B-Klasse den Spielbetrieb wieder auf. Das erste Pflichtspiel gegen Kipfenberg musste zur Halbzeit beim Stande von 1:0 für Eichstätt abgebrochen werden, nachdem für den defekten Ball kein Ersatz beschafft werden konnte. Das Spiel wurde von der "Rechtskammer" für den VfB als verloren gewertet. Dennoch beendete der VfB die Saison auf dem 2. Platz und konnte wieder in die A-Klasse aufsteigen.



Archiv VfB Eichstätt


Ein "schwarzer Tag" für den VfB war der 8. November 1932. Die Mannschaft verlor auf eigenem Platz 1:5 gegen Gaimersheim. Darüber stand am Montag in der Eichstätter Volkszeitung: "Was von den Einheimischen in diesem Spiel vorgeführt wurde, war eine Hanswurstiade und Fastnachtskomödie. Bei einem Großteil der Spieler schien alles Gefühl für Sportgeist und Disziplin völlig verloren zu sein. Dafür gefielen sich einige Spieler in Derbheiten und Holzereien gegenüber dem Gegner, andere verfolgten untätig und interesselos den Spielverlauf, die Stürmerreihe glänzte in völliger Unfähigkeit. "

1933 erfolgte die nächste Neuordnung des Spielbetriebes und der VfB spielte ab sofort im Gau Oberbayern West mit elf weiteren Mannschaften. Mit einem Bus der Firma Frey fuhr der VfB erstmals zu einem Auswärtsspiel nach Oberhaunstadt. 1934 wurde die Meisterschaft knapp verpasst und ein Jahr später entstanden die ersten Schülermannschaften in Eichstätt. 1936 sicherte sich der VfB die Meisterschaft in der A-Klasse. In einem überaus harten Spiel, das mehrfach zu einer Rauferei auszuarten drohte, gewannen die "Grünhosen" beim FV Pfaffenhofen mit 5:2. In den Aufstiegsspielen scheiterte der VfB an 1860 Rosenheim, FC Lochhausen und Alte Heide München. Für Aufsehen sorgte die Jugendmannschaft des VfB mit einem 19:0 Sieg gegen die Mailinger Jugend. 1938 spielten: Eugen Meier, Hias Meier, Karl Lang, Willi Schmid, Meister, Fritz Steindle, Otto Seiderer, Franz Kölle, Hans Schels, Torwart Lamm, Sepp Hindl. Auch im Jahr 1939 wurde zunächst noch Fußball gespielt, ehe am 1. September mit dem Angriff deutscher Truppen auf Polen der Zweite Weltkrieg begann. Bis zum Kriegsende 1945 kamen nur wenige Fußballspiele zur Austragung.

Beim VfB bestand bereits seit Ende 1945 eine Jugendgruppe innerhalb der Fußballabteilung. Die Mannschaft mit Gerhard Rummel, Fritz Schmidt, Theo Waffler, Max Hajek, Werner Bauer, Heinz Rummel, Max Kleber, Simon Frankenberger, Albin Hofmann, Rudi Urlbauer und Hubert Maus wurde ordnungsgemäß für das Spieljahr 46/47 angemeldet (Bild unten). Am Himmelfahrtstag 1946 (4. Juni) eröffnete der VfB seinen erneuerten Sportplatz. Als Ehrengäste hatten sich auch der Leiter der hiesigen Militärregierung, Captain Towle, und der Bürgermeister der Stadt Eichstätt, Romuald Blei, eingefunden. Rund 2500 Zuschauer sahen das Fußballspiel zwischen dem VfB Eichstätt und der Reserveelf des 1. FC Nürnberg, das die Cluberer mit 4:0 gewinnen konnten.

Die 1. Jugendmannschaft gewann 1947 ungeschlagen und ohne Punktverlust die Meisterschaft im Bezirk Ingolstadt und nahm anschließend an den Spielen zur Kreismeisterschaft München/Oberbayern teil. Erst im Endspiel im 60er-Stadion an der Grünwalder Straße musste sie sich gegen die Jugend des TSV 1860 München geschlagen geben.

Herausragend waren auch die Leistungen der 1. Mannschaft des VfB. Am Sonntag, 9. Mai 1948, wurde das entscheidende Meisterschaftsspiel auf dem VfB-Platz ausgetragen. 4500 Zuschauer bejubelten einen 2:1 Erfolg des VfB gegen den Verfolger aus Schrobenhausen. Durch zwei Siege (4:2 und 2:0) gegen den Meister der Gruppe Süd, TSV Wolnzach, errang der VfB (erneut 3000 Zuschauer) auch noch die Bezirksmeisterschaft und schaffte somit den Aufstieg in die Kreisliga Oberbayern Nord. Der VfB spielte mit: Josef Glasmann, Max Kölle, Erich Preisinger, Albert Böll, Willi Schmid, Heinz Häfner, Erwin Gugler, Max Bayer, Sepp Hindl, Gerd Mai und Hans Schweizer. Spartenleiter war Hans Gerbig.



Gerd Mai

Archiv VfB Eichstätt


Am 16. Dezember 1948 berichtete der DONAUKURIER von einem starken Ansteigen der Preise für Fußballschuhe. Waren sie im Juni noch für 27 DM zu haben, so mussten die Fußballer im Dezember 1948 schon 65 DM für ihr "Handwerkszeug" ausgeben.

Als Aufsteiger in die Kreisliga Oberbayern hielt sich die 1. Mannschaft in der Saison 49/50 hervorragend und belegte in der Abschlusstabelle den 4. Platz. Garanten für das gute Abschneiden bei der Jugend waren unter anderem Max Kleber, Hubert Maus und Richard Diener. Am 24. Oktober 1949 verstarb mit Verwaltungsdirektor Michael Orthgieß der Mann, der als 1. Vorsitzender die Geschicke des VfB von der Gründung bis zum 5. Februar 1922 geleitet hatte.

Nach einem guten Mittelfeldplatz sicherte sich der VfB in der Saison 51/52 erst in letzter Sekunde durch einen Sieg gegen den MSV München den Klassenerhalt. Ein großer Rückhalt war einmal mehr der zuverlässige Schlussmann Gerd Mai, der, wie auf dem Bild zu sehen, den Ball sicher abfängt . Auch die nächsten beiden Spielzeiten überstand der VfB in der Kreisliga Oberbayern schadlos.

Sein insgesamt 400. Spiel für den VfB bestritt Albert Böll beim Pokalturnier am 20. Juni 1954 in Wasserzell. Böll, der seit 1934 für den VfB spielte, war um diese Zeit der letzte aktive Spieler der Meistermannschaft von 1936.

Wenige Tage später, am 4. Juli 1954, gelang es der Deutschen Nationalmannschaft durch einen 3:2 Sieg über Ungarn im Berner Wankdorfstadion Fußballweltmeister zu werden. Dieses Ereignis konnte auch von den Eichstättern im Fernsehen verfolgt werden, nachdem die Familie Pischinger mit einer Spezialantenne den Empfang im "Hotel Adler" möglich gemacht hatte.


EK Fortsetzung folgt