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100 Jahre VfB 1920 - 1954 Fechterinnen, Judoka und Schachmeister

Von Katrin Straßer


"Kennt Ihr nicht die Gestalten mit dem schlappen Gang, der fahlen Gesichtsfarbe und dem blasierten Äußeren, die immer so müde sind?




Das ist der eine Typ des jungen Menschen. Ihr kennt aber auch den anderen Typ, den Sportsmann. Die Ausbildung seines Körpers, kräftige Muskeln, gesundes Herz und gesunde Lungen (?) gehen ihm über den faden Genuß, den ihm Kneipe, Cafe und Kino bieten. Sein Gang ist fest, sein Auge klar, der ganze Kerl ist gesund. Darum Ihr Fernstehenden, herein in die Sportbewegung": So schwärmte der EICHSTÄTTER KURIER im Juli 1926 in einem Bericht über die Leichtathleten des VfB Eichstätt. Die Leichtathleten des VfB? Ja, denn hundert Jahre Vereinsgeschichte spiegeln auch hundert Jahre Sportgeschichte wider. Ganze zehn Sportarten führt die Vereinschronik des VfB Eichstätt später, in den 1950er-Jahren, auf, eine echte Blütezeit für Bewegungsspiele aller Art. Manche Sparten gibt es heute noch, aber im Laufe der Zeit hatte der VfB einige Abteilungen, die trotz aller Erfolge in Vergessenheit geraten sind oder die sich inzwischen "selbstständig" gemacht haben. Die Sparte Leichtathletik war ein "Kind der ersten Stunde", bereits 1921 nahmen VfB-Athleten erfolgreich an Wettkämpfen in der Region teil. Ein Star im 3000-Meter-Lauf war Ludwig Riedmüller: Er musste sich im Mai 1921 mit einer Zeit von 10:25 Minuten noch mit dem 4. Platz bei einem Turnier des TV Ingolstadt begnügen. Beim Sportfest des TSV 1897 Ingolstadt im Oktober desselben Jahres holte er sich dann mit einer Zeit von 9:48,6 Minuten den 1. Platz. Riedmüller dominierte zunächst auch die Siegerlisten einer Leichtathletik-Tradition, die der VfB Eichstätt 1922 ins Leben rief: Bis ins Jahr 1927 fand stets im Oktober ein Erinnerungswaldlauf im Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs statt.


Der Zweite Weltkrieg brachte vor allem in den letzten beiden Kriegsjahren das öffentliche Leben und damit auch den Sport zum Erliegen. In den Nachkriegsjahren nahm der VfB Eichstätt seine Aktivitäten Stück für Stück wieder auf - und baute sie aus: Hermann Döbler war der erste Spartenleiter Tennis im VfB. Die Abteilung nahm am 25. Juni 1949 auf der neuerbauten Anlage im Osten des VfB-Platzes ihren Spielbetrieb auf.


1950, in dem Jahr, in dem der VfB sein 30-jähriges Bestehen feierte, kam zu den bislang vier Sparten (Fußball, Faustball, Leichtathletik, Tennis) eine Tischtennisabteilung hinzu. Im Tischtennis schaffte die VfB-Herrenmannschaft mit den damaligen Spielern Paul Melzer, Albert Kolb, Heinz Lehnart und Erich Koller den Aufstieg bis in die Bayernliga. Bei den Damen waren Finni Steidl und Gunda Haas die absoluten Spitzenspielerinnen.

Weil "die damalige 1. Fußballmannschaft des VfB die gleichen Gegner hatte" und es nahelag, "günstige Fahrgemeinschaften zu den gemeinsamen Auswärtsspielen zu bilden", wie Jürgen Tredt und Heiner Zieglwalner in der Vereinschronik berichten, schloss sich 1951 der Schachclub Eichstätt dem VfB Eichstätt als neue Abteilung an. An ihrer Spitze standen Karl Leesch und Albert Schlund.




Die erfolgreichen Tischtennis-Spielerinnen Gunda Haas und Finni Steidl fuhren 1951 auf dem Festwagen zum Volksfest. Der Bierpreis betrug damals übrigens 1,20 Mark.


1953 nahm die neue Sparte Handball ihren Spielbetrieb auf. Das Besondere: Damals wurde pro Jahr eine Hallenhandballsaison und eine Feldhandballsaison in zwei Perioden gespielt. Die Mannschaft bestand in der Hauptsache aus Angehörigen der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Den höchsten Sieg in der Vereinsgeschichte landeten die VfB-Handballer am 13. Juni 1954 mit 42:4 Toren gegen den TSV Rohrbach.

Eine Damen-Handballmannschaft hatte es bereits vor dem Krieg gegeben. 1954 wurde auch die Fechtabteilung gegründet - unter den 14 Sportlern, die im Oktober die Fechterprüfung ablegten, waren sechs Damen. Trainerin war Emmy Hausladen, die die Herrenmannschaft 1956 zur Bayerischen Florettmeisterschaft führte. Zu dieser Zeit kam eine Sparte hinzu, die für viele Eichstätter sicher zunächst sehr exotisch anmutete: Im März 1956 gewann der VfB seinen ersten Judo-Vergleichskampf gegen den SSV Jahn Regensburg.

Mitte der 1950er-Jahre hatte der VfB Eichstätt rund 470 Mitglieder, die zwischen zehn Sportarten wählen konnten. Damit war der Verein der größte in Stadt und Landkreis. Auch die Tradition des Waldlaufes wurde in den 1950er-Jahren wiederbelebt, einer Zeit, in der die Leichtathleten des VfB Eichstätt den Bezirk Donau/Ilm klar dominierten. Vor allem der Name des Mehrkämpfers Karl-Heinz Böhm - später Rektor der THS II in der Schottenau - war in aller Munde.

In den folgenden Jahren verlor der VfB Eichstätt wegen fehlender Trainingsmöglichkeiten die Fechter, Tischtennisspieler und schließlich auch die Handballer an den inzwischen in Eichstätt gegründeten Polizei-Sportverein. Die Tennissparte löste sich 1961 vom Verein und machte sich als Tennis-Club Rot/Weiß Eichstätt selbstständig. Als der VfB 1995 sein 75-jähriges Bestehen feierte, gab es noch die traditionsreichen Sparten Fußball, Faustball, Turnen und die Stockschützen. Neu hinzugekommen war Volleyball, weitere moderne Sportarten sollten folgen - doch das ist eine andere Geschichte.