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  • Sepp Schiebel

Erich Hock ist tot!!!

Am vergangenen Montag, einen Tag vor dem Heiligen Abend, verstarb nach schwerer Krankheit Erich Hock. Unser tiefstes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau und seinen Kindern. Erich Hock wurde 78 Jahre alt.


Der "Magier" oder "Sir" wurde Erich Hock genannt. Während seiner mehr als eindrucksvollen Karriere als Fußballtrainer konnte er über 25 Meistertitel feiern. 2005 übernahm der "Sir" den VfB Eichstätt in der Bezirksliga Oberbayern Nord und konnte sofort die Meisterschaft erringen. Ein Jahr später führte er den VfB auf den 3. Platz in der Bezirksoberliga. Dabei hätte der VfB am letzten Spieltag sogar noch die Meisterschaft erringen können. In einer dramatischen Begegnung vor 1500 Zuschauern wurde das Heimspiel gegen den Sportbund Rosenheim aber mit 2:5 verloren. Danach trennten sich die Wege, aber der Kontakt mit ihm riss nie ab. Nach einer durchwachsenen Spielzeit kehrte Erich Hock 2008 zum VfB zurück. Mit 13 Punkten Vorsprung wurde der VfB Meister in der BOL und stieg erstmals in der Vereinsgeschichte in die Landesliga auf. Ein Jahr später führte Erich Hock den VfB zur Meisterschaft in der Landesliga Süd. Der Aufstieg blieb dem VfB aber verwehrt, denn der SV Heimstetten belegte punktgleich mit dem VfB den 2. Tabellenplatz. Das erforderliche Entscheidungsspiel auf den Aufstieg gewann Heimstetten mit 2:1 Toren. Das noch folgende Relegationsspiel auf den Aufstieg in die Bayernliga verlor der VfB gegen den FC Schweinfurt 05 denkbar knapp mit 1:2 in der Nachspielzeit. Danach verließ Erich Hock den VfB endgültig.


Ich kann mich noch sehr gut an unser erstes Treffen erinnern. Der VfB war 2005 auf der Suche nach einem neuen Trainer. Sollten wir tatsächlich Erich Hock kontaktieren, der zuletzt den MTV Ingolstadt in die Bayernliga geführt hat und dort danach entlassen worden war. Ich nahm die Herausforderung an und suchte den "Sir" in Beilngries an seinem Arbeitsplatz auf. Das Treffen dauerte drei Stunden und ich hatte ein gutes Gefühl. Drei Tage später erfolgte seine Zusage das Traineramt zu übernehmen.


Im Februar 2005 wurde der Mannschaft nach einem Trainingsabend der "Neue" vorgestellt. Die Spieler und wir Verantwortlichen mussten warten. Erich Hock kam verspätet von einer Auslandsflugreise zurück. Dort hatte er "den Scheichs das Autofahren beigebracht". Als der "Sir" endlich das Sportheim betrat, staunten die Spieler nicht schlecht. Erich Hock hatte nach einem Unfall bei einem Fallschirmsprung ("Ich sollte den Spielball auf dem Mittelkreis abliefern. Da kam eine Böe und hat mich an die Sportheimmauer geklatscht. Mein Becken war kaputt und ich lag acht Monate in einem Gipskorsett") Probleme beim Gehen. Als er sich dann vorstellte, waren die Ohren gespitzt und seine ersten Worte bleiben unvergessen: "Mein Name ist Erich Hock. Ich bin in der nächsten Saison Ihr neuer Trainer. Eines sage ich Ihnen gleich - wer im Sommer in den Urlaub fährt, mit dem plane ich nicht. Der kann sofort seinen Pass holen und den Verein verlassen." Das saß - aber ganz so genau nahm er es dann doch nicht.


Legendär waren auch die Trainingslager auf Mallorca. Termin 25. Februar bis 01. März. Alles, aber auch alles wurde war auf das Genaueste geplant. Bereits am 25. Januar flogen der "Sir", Siggi Silbermann, Ernst Pfefferle und ich nach Palma. Am Flughafen wurde alles für den Bustransfer geregelt. Mit einem Leihwagen ging es eine Stunde nach Calla Ratjada in den Norden der Insel. Hotel, Zimmerbelegung, Trainingsplätze, Schlüsselübergabe, Disco - der "Sir" hatte alles bereits vier Wochen vorher geplant. Und - er hatte wie immer recht und Erfolg.


Ein besonderes Verhältnis hatte Erich Hock zu Siggi Silbermann, der als Co.-Trainer viele, viele und noch mehr Stunden mit ihm verbrachte. Trainingspläne ausarbeiten und umsetzen. War um 18.30 Uhr Training traf sich das Trainerteam bereits um 17.45 Uhr zur Trainingsbesprechung. Danach Training bis 20.15 und danach Trainingsnachbesprechung. Nichts blieb dem Zufall überlassen. Auch Franz Dengler und später Jürgen Steib gehörten in den Jahren dem Trainerteam an. Siggi Silbermann war sogar auch Torwarttrainer. Ich höre es immer noch: "Franz switch mal um!" gemeint war die "Flipchart" - ein unverzichtbares Lehrmittel von Erich Hock.


Meine letzte Begegnung mit Erich Hock war im Mai dieses Jahres. Der SV Marienstein spielte beim TSV Berching und ich hoffte, dass Erich auch vor Ort sein würde. Er trainierte zu diesem Zeitpunkt die U-19 sehr erfolgreich in Berching. Mein "Rollerausflug" war wie eine Zeitreise - zurück in die Jahre 2005 bis 2010. Kaum vor Ort, traf ich auf den Magier. Die Begrüßung war außergewöhnlich herzlich und Erich wich während der gesamten Spielzeit keinen Zentimeter von meiner Seite. Er erzählte und erzählte: "Schau, da unten bin ich letztens zusammengebrochen. Ich hatte eine schwere Blutvergiftung. Der Notarzt hat mich nach Neumarkt in Krankenhaus gefahren. Ich war bei der Fußpflege und ich glaube da hat die mir in die Zehen geschnitten. Danach hatte ich Training und habe wieder die alten Socken angezogen. Deshalb hab ich wohl die Blutvergiftung bekommen." "Schau Sepp, der Achter spielt bei mir in der Jugend, der Dreier und der Elfer - allesd gute Jungs." Dann die 70. Minute - es gibt Freistoß für Berching zentral 22 Meter vor dem Tor der Gäste: "Sepp ich sage dir, wenn der Huber schießt, hebt er ihn über die Mauer. Schießt der Müller versucht er es flach. Schießt aber der Ennich (190 cm - 100 Kilo geschätzt - 35 Jahre geschätzt) dann haut der ihn mit 200 km/h gersde hoch ins Eck." Zehn Sekunden später läuft der Ennich an und hämmert den Ball mit über 200 km/h unhaltbar gerade hoch ins Tor zum 4:0. Erich Hock: "Sag ich doch!" Fünf Minuten später gibt es Elfmeter für Marienstein. Ramazan Mazlum legt sich den Ball auf den Punkt. O-Ton Erich: "Ich glaube den hält unser Keeper, der ist ein Guter. Ich antworte: "Dazu müsste er sich aber in die Mitte des Tores stellen, denn er steht ja viel zu weit links." Erich: "Das ist sein Trick, denn er kann sich nur auf die rechte Seite schmeißen und diese bietet er jetzt an." Mazlum läuft an und der Torwart wirft sich in die rechte Ecke und wehrt ab. Erich Hock: "Sag ich doch!"


Viele Menschen hat Erich Hock geprägt, beruflich wie auch im Sport. Er hatte das "Erfolgsgen" in sich und er wird immer unvergessen bleiben.


Ruhe in Frieden Erich und DANKE!!!