Geschichte des VfB

 

(Autor: Jürgen Tredt)

 

Nach dem 1. Weltkrieg eroberte der Fußballsport in kurzer Zeit die Jugend in Deutschland. Galt der Fußball vor 1914 noch als rohes Spiel  und war unter Strafe gestellt, so wurden beim damaligen Turnverein von 1862 in Eichstätt jetzt in regelmäßigen Abständen Privatspiele ausgetragen, die großes Interesse bei den Zuschauern fanden.

 

Die Führung des Turnvereins aber konnte sich so gar nicht mit der neuen Sportart anfreunden und lehnte den Wunsch vieler Mitglieder nach einer Fußballsparte ab.

 

So gründeten am 1. August 1920 rund 90 junge Mitglieder des Turnvereins den Verein für Bewegungsspiele (VfB) Eichstätt und wählten ihren Sprecher Michael Orthgieß zum Gründungsvorstand.

 

erste Erste

v.l.n.r; 1. Vorsitzender Orthgieß, Fink, Bretting Pius, Hoffmann Thomas, Dollinger Karl, Schrenk Adolf, Henkel Hans, Peppenauer Josef, Schregle, Knör Ludwig; unten: Seebach August und Riederer Ludwig; ganz rechts: Zeitlinger Otto

Der derzeitige 1.Vorstand, Thomas Hein, ist in den nunmehr bereits 92 Jahren Vereinsgeschichte der 24. Präsident des VfB.

Der Weißenkirchener Ökonomierat Berger stellte dem jungen Verein eine Wiese gegenüber der Aumühle zur Verfügung (im Anschluss an die östl. Begrenzung des Hofgartens - heute befinden sich dort Gebäude der Universität).

Im September 1920 begannen regelmäßige Turnstunden in der Aula (heute Teilbibliothek der Universität). Die Teilnahme war für alle aktiven Fußballer Pflicht; wer unentschuldigt fehlte, oder am Samstag nach 22.00 Uhr in einem Gasthaus angetroffen wurde, durfte am Sonntag nicht spielen.

 

Der Eintrag des VfB ins Vereinsregister erfolgte am 14.10.1920 beim Amtsgericht in Eichstätt.

Im Januar 1921 zählte der VfB bereits über 100 Mitglieder, davon 90 Aktive im Alter von 17 bis 28 Jahren. Es war selbstverständlich zu dieser Zeit, dass sich jeder Spieler aus eigenen Mitteln seine Sportausrüstung beschaffte, so wie auch die Fahrtkosten zu den Auswärtsspielen selbst getragen werden mussten.

Zwischenzeitlich war beim VfB eine Faustballabteilung gegründet worden. Diese Sportart wurde in den späteren Jahren zu einer Traditionssparte im Verein.

Durch die Altmühlregulierung in den Jahren 28/29 mussten auf dem VfB-Platz Unterkünfte für die Beschäftigten der beteiligten Baufirmen errichtet werden. Dies bedeutete eine lange fußballlose Zeit in Eichstätt. Erst im Herbst 1929 konnte der VfB wieder an der Verbandsrunde teilnehmen.

1935 stellte der VfB die erste Fußball-Schülermannschaft auf (heute C-Junioren) und das Tischtennisspiel wurde eingeführt.

Die Meisterschaft in der A-Klasse wurde erstmals 1936 geschafft, aber der Aufstieg in die Bezirksliga gelang nicht.

Der Ausbruch des 2.Weltkrieges hatte auch erhebliche Auswirkungen auf das Sportgeschehen in Eichstätt. Matthias Sandner übernahm am 1.9.39 für den zur Wehrmacht einberufenen Hans Gerbig die Vereinsführung.

In den Kriegsjahren führte der VfB dann nur Freundschaftsspiele durch, nachdem aus der geplanten Kriegsmeisterschaft im Kreis Donau/Ilm nichts wurde.

Als unbelasteter Bürger stellte Johann Schellkopf nach Beendigung des furchtbaren Krieges im Sommer 1945 bei der Militärregierung den Antrag auf Wiederzulassung des VfB Eichstätt. Für den Turnverein Eichstätt v. 1862 reichte Rudolf Häfner diesen Antrag ein, der jedoch abgelehnt wurde, da er als Belasteter galt und zunächst entnazifiziert werden musste. Da andere Mitglieder zu alt waren, um einen Neuaufbau des Turnvereins zu organisieren, die Jugend aber mit Macht zum Sport drängte, schloss sich ein Großteil der TV-Mitglieder im Herbst 1945 dem VfB an. Das Inventar des TV v.1862 ging damit in VfB-Besitz über, darunter auch die Fahne von 1876, die Standarte von 1912 und die Standarten des Schäfflertanzes von 1903 und 1929.

Am 1.2.1946 erteilte die Militärregierung von München dem Bayer. Landessportverband die Genehmigung, in Oberbayern Rundenspiele im Fußball durchzuführen.

Ein fußballerisch sehr erfolgreiches Jahr war dem VfB 1948 beschieden. Als Donau/Ilm - Meister stieg der Verein in die Kreisliga Oberbayern Nord auf.

Das herausragende Ereignis für den VfB im Jahre 1949 war der in der Faschingszeit durchgeführte Schäfflertanz. Mit 58 Auftritten tanzten sich die VfB-ler in die Herzen der Eichstätter; als Reifenschwinger fungierte damals das heutige VfB-Ehrenmitglied Heiner Zieglwalner.

Hermann Döbler war der erste Spartenleiter Tennis im VfB. Die Abteilung nahm am 25.6.1949 auf der neuerbauten Anlage im Osten des VfB-Platzes ihren Spielbetrieb auf. Diese Sparte löste sich dann allerdings 1961 vom Hauptverein und machte sich als Tennis -Club Rot/Weiß Eichstätt selbständig.

Hans Schellkopf war immer noch 1.Vorstand, als der VfB 1950 sein 30jähriges Bestehen feierte. In diesem Jahr kam zu den bislang vier Sparten (Fußball, Faustball, Leichtathletik, Tennis) auch noch eine Tischtennisabteilung hinzu, der 1951 die Sparte Schach mit Karl Leesch und Albert Schlund an der Spitze folgte.

Im Tischtennis schaffte die VfB-Herrenmannschaft mit den damaligen Spielern Paul Melzer, Albert Kolb, Heinz Lehnart und Erich Koller -Namen, die älteren Eichstättern sicherlich noch gut im Gedächtnis sind - den Aufstieg bis in die Bayernliga. Bei den Damen waren Finni Steidl und Gunda Haas die absoluten Spitzenspielerinnen.

1953 nahm dann die neue Sparte Handball ihren Spielbetrieb auf. Die Mannschaft bestand in der Hauptsache aus Angehörigen der Bayer. Bereitschaftspolizei. Den höchsten Sieg in der Vereinsgeschichte landeten die VfB - Handballer am 13.6.54 mit 42:4 Toren gegen den TSV Rohrbach.

1954 erfolgte auch die Gründung der Fechtabteilung. Trainerin war Emmy Hausladen, die ihre Mannschaft 1956 zur Bayer. Florettmeisterschaft führte.

In diesem Jahr kam als 10.Sparte auch noch die Judo-Gruppe dazu und zweifellos erlebte der VfB jetzt seine Blütezeit. 466 Mitglieder betrieben ihren Sport in diesen 10 Sparten und der Verein war damit der größte in Stadt und Landkreis.

Die VfB-Leichtathleten schwammen auf einer Erfolgswelle ohnegleichen, wobei der Name des Mehrkämpfers Karl-Heinz Böhm - der spätere Rektor der THS II in der Schottenau - in aller Munde war.

Ein Wermutstropfen war allerdings der Abstieg der Fußballer im Spieljahr 1955/56 aus der Ilm Amateurliga Oberbayern. Und auch in der A-Klasse Donau/Ilm in der darauf folgenden Saison konnte der VfB erst mit einem Sieg im letzten Spiel den Abstieg verhindern.

Die Süddeutsche Zeitung sprach Anfang September 1957 von einem Schildbürgerstreich des Eichstätter Stadtrates als bekannt wurde, dass die städt. Turnhalle an die Miederwarenfabrik "Triumph" vermietet worden war. Diese Maßnahme traf insbesondere den VfB Eichstätt, der in den folgenden Jahren wegen fehlender Trainingsmöglichkeiten die Fechter, Tischtennisspieler und schließlich auch die Handballer an den inzwischen in Eichstätt gegründeten Polizei-Sportverein verlor.

Im Sommer 1959 weihte der VfB sein neues Vereinsheim mit Umkleidekabinen und Duschräumen ein.

Bei der Generalversammlung am 1.7.61 konnte der VfB gerade mal noch fünf Sparten aufweisen, in denen nur noch 350 Mitglieder ihrem Sport nachgingen.

Außerdem hatten sich die Fußballer als Tabellenletzter aus der A-Klasse verabschiedet, wobei allerdings schon 1962 der sofortige Wiederaufstieg glückte.

1963 konnte das Nebenzimmer als Anbau zum VfB-Heim eingeweiht werden, nachdem zuvor Adolf Kölle zum 1. Vorstand gewählt wurde. Diese Funktion übte er bis 1985 aus und leitete bisher am längsten die Geschicke des VfB.

In seine Amtszeit fiel die erste Ausgabe des SPORT ECHO, der VfB-Vereinsnachrichten, die heute im 49. Jahrgang erscheinen.

1968 wurden vier Flutlichtmasten an den Ecken des VfB-Platzes errichtet, die in erster Linie als Trainingsbeleuchtung gedacht waren, aber auch Freundschaftsspiele in den Abendstunden zuließen. Gleichzeitig mit dem Flutlicht wurde auch eine Lautsprecheranlage in Betrieb genommen, die bis auf den heutigen Tag dazu benutzt wird, den Zuschauern Mannschaftsaufstellungen und Spielergebnisse bekannt zu geben.

 

FC Bayern

 

Zur 50-Jahr-Feier im Jahr 1970 hatte sich der VfB den FC Bayern eingeladen, der zum Jubiläumsspiel in Eichstätt mit seinen WM-Teilnehmern Franz Beckenbauer, Sepp Meier und Gerd Müller sowie Trainer Udo Lattek und Manager Robert Schwan antrat.

Voll des Lobes waren die Bayern nach dem Spiel über Erika Kölles Küchenschmankerln. Die Gattin des VfB-Bosses hatte das Vereinsheim als Pächterin übernommen und war über 15 Jahre lang der gute Geist im VfB-Heim.

 FC Bayern

 

Beckenbauer, Maier, Schwarzenbeck,Hansen, Roth, Mrosko, Müller, Ay, Breitner, Schneider, Köppendörfer

 

Im April des Jahres 1971 hatte sich eine Damen-Fußballmannschaft beim VfB etabliert, die auch an einer Punktrunde teilnahm, sich aber nach anfänglicher Begeisterung schon 1973 wieder auflöste.

Die Köpfle - Alm in Balderschwang sah 1972 das erste Skilager des VfB Eichstätt; dieses Freizeitangebot des Vereins hat bis heute Bestand. In späteren Jahren wurde sogar eine Skiabteilung gegründet, die jedoch nach erster Euphorie nach nur zwei Jahren ihres Bestehens wieder einschlief.

Während der Olympischen Sommerspiele in München war die malaysische Fußball-Nationalmannschaft beim VfB zu einem Trainingsspiel zu Gast. Die Grünweißen hielten sich erstaunlich gut und unterlagen den Asiaten nur knapp mit 1:3 Toren.

Im Juni 1973 erfolgte die Einweihung der neuen Stockschützenbahn(Asphalt); diese Sparte erlebte in der Folgezeit starken Zuspruch und konnte sich bis Anfang der 80-iger Jahre behaupten. Höhepunkt war zweifelsohne die Teilnahme einer Damenmannschaft am Deutschland - Pokal in Mannheim 1982. Heute fristet die Bahn ein kärgliches Dasein und wird nur noch sporadisch zur Freizeitbeschäftigung genutzt.

Im Spieljahr 73/74 hatte der ehemalige Bundesligaspieler Horst Blechinger (Schalke 04 und Karlsruher SC) die VfB - Fußballer als Spielertrainer übernommen und auf Anhieb den Aufstieg in die Bezirksliga Oberbayern geschafft. Dieser Klasse gehörten die Eichstätter bis zum Abschluss der Saison 77/78 an.

1977 nahm der VfB erstmals wieder an einer Meisterschaftsrunde im Faustball teil und belegte hinter dem ESV Ingolstadt nach Abschluss der Punktspiele den zweiten Tabellenplatz.

Als nach den Olympischen Sommerspielen in München das Volleyballspiel seinen Siegeszug in Deutschland antrat, hatte sich auch beim VfB ganz heimlich, still und leise eine neue Sparte in dieser Sportart gebildet. Freilich konnte damals noch niemand ahnen, dass die Volleyballer in späteren Jahren zum Aushängeschild des Vereins werden sollten.

1981 gab es den letzten VfB-Ball zur Faschingszeit, nachdem der immer schwächer werdende Besuch nicht einmal mehr die Kosten der Vorbereitungen deckte.

Eine Neuerung gab es im Fußball ab dem Spieljahr 80/81: der Tabellenzweite bekam in ausgelosten Entscheidungsspielen ebenfalls die Chance zum Aufstieg. In den Spielsaisonen 78/79 und 79/80 war der VfB nach Abschluss der Punktrunde jeweils Tabellenzweiter, 1980/81 aber reichte es dazu nicht.

1983 ging auch beim VfB Eichstätt das Aerobic-Fieber um und die betreffenden Übungsstunden hatten einen enormen Zulauf.

In diesem Jahr war auch Baubeginn für den neuen Sanitärtrakt. Wieder lag die Bauleitung in den bewährten Händen von Ludwig Graubmann sen. Die Einweihung des neuen Gebäudes erfolgte am 1. Juli 1984. Zur Einweihung trat der FC Bayern zum zweiten Mal in Eichstätt an.

Eine rabenschwarze Saison bescherte den VfB-Fußballern im Juni 1985 den Abstieg in die B-Klasse. Zwar schaffte die Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg ein Jahr später, aber der erneute Abstieg datiert aus dem Jahr 1990, dem dann sogar 1991 der freie Fall in die C-Klasse folgte. In dieser untersten Spielgruppe musste sich der VfB sieben Jahre herumschlagen ,ehe es der Mannschaft unter Spielertrainer Franz Schreiner gelang, wieder in die Kreisklasse Nord (früher B-Klasse) aufzusteigen. Und in der Zeit, da diese Kurzform der VfB-Geschichte zu Papier gebracht wird, sieht es ganz danach aus, als sollten die Eichstätter im nächsten Spieljahr in der Kreisliga (früher: A-Klasse) vertreten sein.

1985 präsentierte die Volleyball-Abteilung neben den äußerst erfolgreichen Damen- und Mädchenteams auch eine Herrenmannschaft im Punktspielbetrieb, die auf Anhieb Meister der Kreisklasse Nord wurde.

Im Sommer 87 übernahm Uwe Holzschuh als Pächter das VfB-Heim, das unter VfB-Präsident Josef Plößl vom Dach bis zu den Innenräumen und Außenanlagen eine gründliche Renovierung erfuhr. 13 Jahre ist der Uwe nunmehr Wirt unseres Vereinsheimes und man kann nur hoffen, dass er es mindestens noch weitere 13 Jahre bleiben wird.

1989 nahm die Jugend des VfB eine Einladung des FC Liverpool zu einem Freundschaftsspiel im Mutterland des Fußballs an.

Die Stadt Eichstätt ließ den VfB-Platz mit Leichtathletikanlagen und einem Hallenhandballfeld zur Nutzung durch die Eichstätter Schulen ausbauen. Mit in die Planungen einbezogen war auch ein Tennis-Hartplatz als Freizeitangebot an die VfB-Mitglieder.

Das Top-Ereignis der 90iger Jahre war für den Verein sicherlich der 75. Geburtstag, zu dem die Vereinschronik 75 Jahre VfB Eichstätt in Buchform erschien.

Die Geburtstagsfeier selbst wurde im Festsaal des Alten Stadttheaters abgehalten.

In der darauffolgenden Generalversammlung löste Otto Eigenmann den bisherigen VfB - Präsidenten Josef Plößl ab, der aufgrund seiner großen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Eine Ehrung, die bisher nur dem ersten Nachkriegsvorstand des VfB, Johann Schellkopf, zuteil geworden war.

Insbesondere der Jugendfußball nahm unter der Amtsführung des neuen VfB-Chefs großen Aufschwung. So wurde die D-Jugend nicht weniger als siebenmal hintereinander Meister ihrer Spielklasse, mit der C-Jugend spielte in der Saison 97/98 erstmals eine VfB-Mannschaft in der oberbayer. Bezirksliga. Sie musste zwar ein Jahr später wieder absteigen, nimmt aber heute als B-Jugend in der oberbayer. Bezirksoberliga einen sicheren Mittelplatz ein.

Diese hervorragende Jugendarbeit würdigte der Bayer. Fußballverband nicht nur mit der Sepp -Herberger - Urkunde, sondern der DFB honorierte dies im Frühjahr 2000 auch mit der Verleihung des DFB - Ehrenamtspreises an Jugendleiter Fred Pfaller.

1999 ging für den VfB ein lang gehegter Wunsch und ein kontinuierlich verfolgtes Ziel in Erfüllung. Der Ausweich- und Trainingsplatz hinter dem Hofgarten wurde nach Zustimmung der Stadt Eichstätt und der Kath. Universität mit einer Beleuchtungsanlage ausgerüstet, die eine weitgehende Schonung des Hauptspielfeldes durch den Trainingsbetrieb erlaubt.

Und verändert hat sich auch der VfB-Platz selbst: eine neue Bandenwerbung fügt sich harmonischen die Sportanlage ein.

Die vorstehende Kurzfassung der Geschichte des VfB Eichstätt basiert auf dem Inhalt der VfB-Chronik 75 Jahre VfB Eichstätt.

Wer sich für den weiteren Werdegang des nunmehr 90-jährigen Eichstätter Traditionsvereines interessiert, der hat die Möglichkeit die Ausgaben des SPORTECHOS seit dem Jahr 2000 auf der Homepage zu durchforsten. Die Chronik ist mittlerweile vergriffen.

Auskünfte dazu erteilt der Geschäftsführer unter der Telefonnummer 08421-3892.